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Eine Hommage an das Auto und seine Geschichte

Am 10. Mai 1904 hatte August Horch “A. Horch & Cie. Motorenwerke AG”, eingetragen – und zwar im Handelsregister Zwickau. Damit den Grundstein für den wichtigsten Wirtschaftszweig der Region. Gleich zu Beginn stieß jene Firmengründung, jenes Projekt auf das Interesse privater Investoren. Doch knüpften jene ein Invest an Bedingungen. Die Ansiedlung sollte in einem Industriezentrum stattfinden und die Erweiterung seiner 1902 in Reichenbach gegründeten Fabrik war ebenfalls Bedingung, so dass die Standortwahl schließlich auf Zwickau fiel.


August Horch im Portrait

Als einer der ersten Automobilingenieure spielt August Horch in den Geschichtsbüchern der Automobilbranche eine tragende Rolle. Ein wahrer Pionier. Horch gab der Automobilentwicklung entscheidende Impulse
August Horch wurde am 12. Oktober 1868 in Winningen an der Mosel geboren. Nach erfolgreichem Abschluss der Gesellenprüfung in der Schmiede war er zwischen 1884 und 1887 auf Reisen. Horch arbeitete in Deutschland, Österreich-Ungarn, Serbien und Bulgarien. Von 1888 bis 1890 absolvierte er eine Lehre als Ingenieur für Maschinenbau und Motorenbau im Technikum in Mittweida. Er war zwischen 1892 und 1896 in Leipzig an der Entwicklung eines Verbrennungsmotors für ein Torpedoschiff beteiligt.
1896 wechselte er als Betriebsleiter zur Carl Benz & Cie. in Mannheim. Bereits zwei Jahre später gründete er seine eigene Werkstatt, die A. Horch & Cie. in Köln-Ehrenfeld. Neben der Reparatur von Automobilen widmete er sich dem Bau von Personenkraftwagen.


In Zwickau begann alles

Streitigkeiten zwischen Horch und dem Aufsichtsrat führten 1909 zu einer ersten Krise und es kam zum Bruch. Rasch gründete Horch die August Horch Automobilwerke Zwickau GmbH in Folge dessen. Der vertraute Name führte erneut zum Streit und so wurde im Jahr 1910 Audi geboren.

Die Audi-Werke Zwickau sind geboren

Der Audi Typ K: Wenig später sollte der Audi Typ K für Furore sorgen. Interessanter Weise sollte (damals eine Innovation) das Lenkrad hierbei links statt rechts angebracht sein. 1928 kaufte der Leiter der DKW-Gruppe, Jörgen S. Rasmussen, das wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen. Die Siegesserie der Kleinwagen war geboren und wenig später wurde der Kleinwagen DKW Typ Front vorgestellt – Der erste Serienwagen mit Frontantrieb. Eine wahre Innovation!

Vorreiter Rasmussen

Rasmussen hatte seine Expansionspläne mit der Übernahme von Audi realisiert. Die 1907 in Zschopau gegründete DKW-Gruppe war damit die größte Motorenfabrik der Welt.

In den Horch-Werken wurden inzwischen zunehmend und immer häufiger Limousinen mit schweren Karosserien und Großmotoren produziert. In den 20er Jahren baute dann Paul Daimler, seinerzeit technischer Berater bei den Horch-Werken, eine Horch 8. Der Achtylinder war vor allem bekannt für Zuverlässigkeit und Laufruhe seines Motors. Mit der Horch 8 sicherte sich das Unternehmen in kurzer Zeit die Marktführerschaft in der Luxusklasse. 1931 arbeitete das Unternehmen mit 249 Lieferanten zusammen, darunter auch Werkzeuglieferanten. Das Wachstum ging stetig voran.

Chemnitz – wichtiger Ort der Automobilbranche

In Chemnitz liegen die Wurzeln des Automobilbaus beim “Wanderer”. Der Markenname geht auf das Jahr 1896 zurück, als er für Fahrräder der 1885 in Chemnitz gegründeten Firma Winklhofer & Jaenicke geschützt wurde. Im Jahr 1904 wurde der erste Versuch der Automobilherstellung registriert. 1913 ging mit “Puppchen” der erste Kleinwagen vom Band. Er erfreute sich großer Beliebtheit und war sehr begehrt. Erst 1926 folgte ein stärkerer Nachfolger, der Wanderer Typ W 10 mit 1,5 Liter Motor und 30 PS Leistung. Hier waren alle Innovationen des modernen Automobilbaus verteten. So zum Beispiel:

Aufgrund des Erfolgs errichtete Wanderer eine neue Produktionsstätte im Chemnitzer Stadtteil Siegmar. Die Teileproduktion blieb in der bisherigen Fabrik. Der Transport zwischen den beiden Werken wurde von der Bahn durchgeführt. Einzelteile und Baugruppen wurden direkt vom Wagen auf das Montageband gelegt: Just in time Lieferung Ende der 20er Jahre!

Parallel zur Automobilproduktion entwickelte sich nun auch die Zulieferindustrie. Die 1898 gegründete Erzgebirgische Schnittwerkzeug- und Maschinenfabrik gilt als die Wiege der Umformtechnik. Früh spezialisierte man sich auf die Automobilindustrie, insbesondere auf große Karosserieteile. Die heutige KUKA Werkzeugbau Schwarzenberg GmbH setzt diese heute Tradition fort. Erwähnenswert ist auch die Blechformwerke Bernsbach GmbH, die in den 1930er Jahren gepresste Karosserieteile unter anderem für Opel, Audi, Buick, Chevrolet, Fiat und Chrysler herstellte.

1932 – Die Zeit nach dem Zusammenschluss

Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation in diesen Jahren schlossen sich die vier Unternehmen Horch (Zwickau), Audi (Zwickau), DKW (Zschopau) und Wanderer (Chemnitz) 1932 zur Auto Union AG zusammen, um in schlechten Zeiten weiter voranzukommen – Vier verschlungene Ringe symbolisierten diese Verbindung. Noch heute kennt ein jeder die vier Ringe. Siege im Motorsport – so die Hoffnung – sollen das Bewusstsein schärfen. Zu diesem Zweck entwickelte das Designbüro von Ferdinand Porsche ein Rennwagen-Design.

Die Stunde der Silberpfeile

Der 16-Zylinder-Kompressormotor und die Leichtmetall-Karosserie sind als “Silberpfeile” in die Geschichte eingegangen. Ende der 1930er Jahre gehörten sie zu den schnellsten Autos der Welt. Rennfahrer wie Hans Stuck oder Bernd Rosemeyer gewannen zahlreiche Siege in den Silberpfeilen sowie mehrere Welt- und Klassenrekorde.

Unter dem Dach der Auto Union AG blieben die Horch-Werke die erste Adresse für Luxuslimousinen und Qualitätsautos. Das Angebot bestand hauptsächlich aus Limousinen mit V8-Motoren oder Reihen-Achtzylindermotoren. Die Modellpalette bot die Wahl zwischen verschiedenen Karosserievarianten, von Pullmann-Limousinen und Tourenwagen über Cabrios, Sport Cabrios und Roadster. Das beliebteste Modell war ein zweitüriges Sport Cabriolet, das die höchsten Verkaufszahlen erzielte. Seinen Höhepunkt erreichte er 1938, als 1339 Autos bestellt wurden. Damals war Horch mit einem Anteil von 54,8% unangefochtener Marktführer im Luxussegment!

Audi in schwierigen Zeiten

Die Audi Werke hingegen waren zu Beginn weniger erfolgreich. Audi war durch den Zusammenbruch der Vereinigung Auto-Union bedroht. Obwohl das Publikum auf dem Autosalon 1933 sehr begeistert vom Audi Frontmodell – einem frontbetriebenen Mittelklassewagen – war, blieben die Käufer aus. Im Frühjahr 1936 präsentierte das Unternehmen diese Audi-Front als Audi 225 – das Konstruktionsbüro hatte das Modell deutlich verbessert und der Umsatz stieg langsam.

Bereits 1931 produzierten die DKW-Werke den DKW-Front-Typ F2, einen kleinen Vorderradantrieb. Mit diesem Modell begann auch die erfolgreiche “F-Serie”. Bis 1939 sollte das Unternehmen mehr als eine Viertelmillion Einheiten dieser Baureihe verkaufen. Das Modell wurde zunächst nur in der “Meisterklasse” angeboten, später erweiterte die “Reichsklasse” das Angebot. Es war eine einfachere Variante und wurde als Reaktion auf den preiswerten Opel mit einem Ein-Liter-Motor entwickelt. Die DKW-Werke produzierten den Typ F8, das längste ihrer Fahrzeuge – gebaut bis zum Ende des Fahrzeugbaus 1942.

Zeit zu expandieren

Zwischen 1933 und 1939 expandierte die Auto Union AG enorm: Der Umsatz des Unternehmens stieg von 65 auf 276 Millionen Reichsmark, die Zahl der Mitarbeiter von 8.000 auf über 23.000. Die Zahl der produzierten Fahrzeuge für Motorräder stieg von rund 12.000 auf 59.000, die der Automobile von rund 17.000 auf mehr als 67.000 Einheiten pro Jahr. Allein in den Wanderer-Werken verfünffachte sich 1938 die Fahrzeugproduktion gegenüber 1932. Damit ist die Auto Union die zweitgrößte Kraftfahrzeuggruppe in Deutschland, die vom Motorrad bis zum Luxusauto reicht. Erstaunlich war auch der Innovationsgeist der Automobilhersteller in Chemnitz, Zschopau und Zwickau: Mehr als 3.000 Patente wurden während der Existenz der Auto Union im In- und Ausland angemeldet!
Ab 1938 war die Wehrmacht einer der Hauptkunden der Auto Union. Die Auto Union war seit 1933 an der Entwicklung von militärischen Spezialfahrzeugen beteiligt. In den 1940er Jahren sollte die Produktion von Militärfahrzeugen den zivilen Fahrzeugbau dominieren. Die Spuren des NS-Regimes beeinflussten auch den Fahrzeugbau in der Region. Seit 1944 gab es im Werk Horch ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg, und die Werksleitung hatte etwa 1000 Zwangsarbeiter bei der SS angefordert. Die Zwangsarbeiter arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen, viele starben in dieser furchtbaren Zeit.

Nach Kriegsende

Nach dem Krieg musste die Auto-Union AG ihren Beitrag zur Rüstungsindustrie teuer bezahlen. Die russische Besatzung zerstörte alle Produktionsanlagen und Maschinen oder verstaatlichte sie. Die Verwaltung der Audi- und Horch-Werke wurde von der Sächsischen Aufbauwerke GmbH übernommen, die am 1. Juli 1946 zur neu gegründeten Industrieverwaltung 19, Fahrzeugbau (IFA) gehörte. Die IFA sollte von nun an den gesamten Fahrzeugbau vertreten, führend und ein Fahrzeug für die technische Entwicklung sein. Am 17.08.1948 wurde die Auto-Union aus dem Handelsregister Chemnitz gelöscht. Zu diesem Zeitpunkt waren leitende Mitarbeiter der Auto Union bereits nach Bayern gegangen, wo sie in Ingolstadt eine neue Heimat fanden. Die Auto Union GmbH, der Vorgänger der heutigen Audi AG, wurde 1949 gegründet und setzte schließlich die Tradition der vier Ringe fort.

Nur wenige Autos in den Nachkriegsjahren

In den Nachkriegsjahren wurden nur wenige neue Autos gebaut. Für die Besatzungstruppen wurden Transportgeräte repariert und Autos aus vorhandenen Karosserieteilen montiert. Die ersten Kraftfahrzeuge waren hauptsächlich Nutzfahrzeuge. Die Produktion von Nutzfahrzeugen wurde auf Zwickau und Werdau konzentriert, da VOMAG – der Nutzfahrzeughersteller in Plauen – durch den Krieg zerstört wurde. Das LOWA-Werk Werdau (Lokomotiv- und Waggonbau) war damals das einzige mit den Voraussetzungen für die LKW-Produktion. Vor dem Krieg hatte das Werk bereits Nutzfahrzeuge produziert: Damals verließen Bus- und LKW-Aufbauten für MAN, Daimler, Büssing und VOMAG die Werkshallen. Nach dem Krieg begann im Werk Werdau die Serienproduktion des H6-Lkw. Es wurde hauptsächlich als LKW, Sattelzug und Bus eingesetzt und hatte zunächst auch Chancen auf dem internationalen Markt.

Insgesamt litt die Automobilindustrie in der jungen DDR stark unter dem Materialmangel. Die Produktion von Autos war daher stark eingeschränkt, so groß wie die Nachfrage nach Kleinwagen. Vor allem fehlte es dringend an Stahlblech.

Dieser Materialmangel erforderte eine Alternative im Karosseriebau. Seit 1951 arbeitete ein Forschungsteam an der Entwicklung eines geeigneten Ersatzmaterials, das wetterfest und korrosionsbeständig sein sollte. 1955 wurde die Neuentwicklung – der P 70 “Typ Zwickau”, Vorläufer des “Trabant” – schließlich der Öffentlichkeit vorgestellt. Sein Gehäuse war aus Kunststoff oder duroplastischem Kunststoff. Die Entwicklung des ersten Nutzfahrzeugs in Deutschland mit einer Standard-Kunststoffkarosserie war eine Pionierleistung im Automobilbau und sorgte für internationales Aufsehen.

Kultauto Trabant und die Geschichte dahinter

Der VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau wurde 1958 von den beiden Automobilunternehmen Horch und Audi gegründet. Der Schwerpunkt ihrer Produktion lag auf dem Typ P50, einer kleineren und kostengünstigeren Version des P70. Dieser P50 sollte zum ostdeutschen Volkswagen avancieren und erhielt bald den Namen “Trabant”, unter dem er jahrzehntelang weiterentwickelt wurde. Techniker mit neuen Ideen und fortschrittlichen Designs stießen auf wenig Resonanz, nur Verbesserungen am gleichen Basismodell wurden realisiert. Ab Oktober 1962 war der P60 – auch Trabant 600 – das Vorgängermodell, seine wichtigste Innovation war ein auf 600 ccm vergrößerter Motor.

Das Ende der DDR und das Auto

Der Zusammenbruch der DDR und der damit verbundene gesellschaftliche Wandel brachten auch einen Wendepunkt im ostdeutschen Automobilbau mit sich – einen Wendepunkt hin zum modernen Automobilbau. Die Weichen für einen Neuanfang wurden jedoch früher gestellt. In den 1980er Jahren wurden erste Kontakte zur westlichen Automobilindustrie geknüpft. Damals baute die französische Citroën-Gruppe das Gelenkwellenwerk in Zwickau/Mosel; heute gehört das erfolgreiche Gelenkwellenwerk zur GKN Driveline Deutschland GmbH mit Sitz in Offenbach (Main). Der Sachsenring Zwickau nahm Mitte der 80er Jahre in der Hoffnung auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit Kontakt mit dem Volkswagen Konzern auf. Es war geplant, gemeinsam mit VW Motoren auf Basis des Polomotors zu produzieren. 1988 begann im Motorenwerk Barkas in Karl-Marx-Stadt die Serienproduktion von VW-Viertaktmotoren. Sie bildeten das neue Herzstück der Trabant und Wartburg Körper. Später – kurz nach dem politischen Wandel – lieferte das Werk die Motoren an das VW-Werk in Wolfsburg zum Einbau in die Modelle Polo und Golf.
Etwa zur gleichen Zeit, zwischen 1987 und 1990, hatte der Sachsenring an der ehemaligen Mosel (heute Zwickau) ein neues Trabant-Werk gebaut. Anfangs war geplant, weitere Trabis mit VW-Motoren zu produzieren, aber gleichzeitig begann die Produktion der ersten Polo-Modelle. Die Trabantproduktion wurde dann nach mehr als 30 Jahren eingestellt: Der letzte Trabant kam im April 1991 vom Band. Doch das Kapitel des Trabis ist noch nicht endgültig abgeschlossen, Tausende von Trabis bevölkern jedes Jahr die Straßen von Zwickaus für das International Trabant Driver Meeting (ITT). Das Erbe der DDR wird liebevoll behandelt – der “Karton” genießt heute Kultstatus.

Der Volkswagen Konzern hat sein Engagement in der Region intensiviert. Im September 1990 wurde der Grundstein für ein neues Werk in Mosel gelegt und im Dezember 1990 die Volkswagen Sachsen GmbH gegründet, die heute in Chemnitz und Zwickau/Mosel produziert. Neben dem damals neu errichteten Trabant-Werk wurde in Mosel ein komplettes Automobilwerk errichtet: In den Hallen von Press- und Karosseriewerkstatt, Lackiererei und Montage sollten 250.000 Fahrzeuge pro Jahr produziert werden. Im Jahr 1998 verließen erstmals mehr als eine Viertelmillion Autos das Werk Mosel.
Die Ansiedlung des größten deutschen Automobilherstellers in der Region bedeutete die Rettung der sächsischen Automobilindustrie und ist auch ein Zeugnis für erfahrene und qualifizierte Mitarbeiter, die sowohl Leistung als auch Qualität liefern. Nicht zuletzt ist der Erfolg des VW-Konzerns auch das Ergebnis einer modernisierten Arbeitsorganisation. Das Zauberwort lautet Just-in-time-Produktion. So verrichtet beispielsweise VW Mosel nur etwa ein Fünftel aller Arbeiten im Werk, während etwa vier Fünftel der Arbeiten außerhalb des Werks ausgeführt werden. Lieferanten stellen Komponenten und Modulvarianten her, die im Golf oder Passat zur richtigen Zeit und am richtigen Ort installiert werden müssen. Das Werk Mosel und die Zulieferindustrie müssen hohe logistische Anforderungen erfüllen, da die Autos jede Minute die Montagelinien verlassen. 1998 wurde VW Sachsen mit dem “Deutschen Logistik-Preis” unter dem Titel “Produktion in Partnerschaft” ausgezeichnet. Letztendlich ist dies auch ein Beweis dafür, dass sich die Automobil- und Zulieferindustrie wieder zu dem wichtigen Industriezweig entwickelt hat, den August Horch einst gegründet hat.

2004 entsteht VW Mechatronik im Landkreis Stollberg sein. Das Joint Venture mit der Siemens AG, ein Meilenstein.